
Die Art und Weise, wie wir heute leben, hat mit dem Tagesablauf unserer Vorfahren nicht mehr viel gemeinsam. Viele Faktoren in unserem modernen Alltag beeinflussen unseren natürlichen circadianen Rhythmus und stören damit die Melatoninproduktion. Kunstlicht, Lärm, Bewegungsmangel, falsche Ernährungsgewohnheiten, Koffein und Alkohol – wir machen unserem Körper das Entspannen nicht leicht. Auch Stress ist einer der Hauptverursacher von Schlafstörungen. Sorgen, die wir aus dem Berufsalltag und dem Privatleben mit uns herumschleppen, werden nachts oft zum klassischen Gedankenkarussell. Die Folge ist, dass sich viele Menschen Nacht für Nacht schlaflos im Bett herumwälzen und morgens wie gerädert aufwachen.
Oftmals liegt die Ursache von Schlafprobleme in einem fehlenden hormonellen Gleichgewicht. Ein Mangel am Schlafhormon Melatonin und ein Überschuss des Stresshormons Cortisol sind ein Garant für schlaflose Nächte. Umgekehrt kann schlechter oder zu wenig Schlaf unseren Hormonhaushalt negativ beeinflussen. Fehlt dem Körper Schlaf, befindet er sich in einer Art Ausnahmezustand und schüttet erneut das Stresshormon Cortisol aus. Das wiederum macht es deinem Körper unmöglich, zu entspannen – ein Teufelskreis.
Häufen sich die Schlafstörungen, so sollte zunächst abgeklärt werden, ob eine schwerwiegende Ursache vorliegt: Bei vielen körperlichen und psychischen Erkrankungen gehören Schlafprobleme und eine ständige bzw. phasenweise auftretende Müdigkeit zu den Haupt- oder Begleitsymptomen. Auch ein Nährstoffmangel, wie zum Beispiel fehlendes Vitamin D3 oder Eisen, zeigt sich häufig durch ein vermehrtes Schlafbedürfnis.
Schlafhygiene
Es gibt Menschen, die können scheinbar immer und überall schlafen – und werden oft darum beneidet. Wer nicht zur Gruppe dieser Glücklichen gehört, kann oft schon mit der bewussten Gestaltung seiner Umgebung und Gewohnheiten eine Veränderung zum Positiven erreichen. Maßnahmen und Verhaltensweisen zur Verbesserung des Schlafs werden unter dem Begriff Schlafhygiene zusammengefasst.
Das Schlafzimmer
Die Temperatur im Schlafzimmer ist ein wichtiger Faktor für deinen persönlichen „Schlaferfolg“. Sowohl ein zu warmer als auch ein zu kalter Raum lassen uns unruhig schlafen. Die ideale Raumtemperatur liegt zwischen 16 und 18 Grad Celsius. Auch eine ausreichende Sauerstoffzufuhr ist wichtig: Am besten das Fenster nachts leicht geöffnet lassen, oder zumindest vor dem Schlafengehen noch einmal ordentlich durchlüften.
Auch Lärm und andere Sinnesreize können die Nachtruhe stören. Ideal ist es, das Schlafzimmer wirklich nur zum Schlafen zu nutzen. Fernseher, Smartphone und Laptop sollten besser draußen bleiben. Der Raum wird so zu einer Ruhezone und schon das Betreten signalisiert dem Körper, dass es jetzt Zeit ist, sich zu entspannen.
Die Ernährung macht‘s
„Ein voller Magen in der Nacht, hat manchen um den Schlaf gebracht“.
Wir wissen es ja eigentlich alle – ein fettes Essen kurz vor dem Zubettgehen ist keine so gute Idee. Die anhaltende Verdauung kann den Schlaf stark beeinträchtigen. Auch ein völlig leerer Magen ist allerdings wegen des dann niedrigen Blutzuckerspiegels nicht optimal. Ideal ist es, etwa drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen die letzte große Mahlzeit zu sich zu nehmen. Dann hat der Körper ausreichend Zeit für die Verdauung und einer erholsamen Nachtruhe steht nichts mehr im Wege.
Ob die traditionelle Milch mit Honig dem Schlaf tatsächlich förderlich ist, ist übrigens umstritten. Zwar enthält Milch Tryptophan – eine essenzielle Aminosäure, die der Körper zur Herstellung von Serotonin und damit auch des Schlafhormons Melatonin benötigt. Ob die in Kuhmilch enthaltene Menge dafür aber ausreicht, darüber scheiden sich die Geister. Einige Forscher glauben, dass es eher das Ritual ist, das uns beim Einschlafen hilft.
Koffein und Alkohol
Bei Schlafproblemen solltest du Kaffee am besten ganz weglassen, zumindest aber 6-8 Stunden vor dem Zubettgehen. Schwarzer und Grüner Tee sowie viele Energydrinks haben einen ähnlich aufputschenden Effekt, sei also auch damit lieber vorsichtig.
Dass Alkohol uns hilft, zu schlafen, ist ein weit verbreiteter Trugschluss. Zwar stimmt es tatsächlich, dass man nach einem Glas Rotwein müde wird und oft schneller einschläft. Allerdings stört Alkohol die Tiefschlafphase und lässt uns generell unruhiger schlafen. Die Leber ist mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt, eine Phase der tiefen Erholung stellt sich daher nicht ein.
Weißes und blaues Licht
Da der circadiane Rhythmus sich vor allem nach dem Tageslicht richtet, solltest du bei Schlafproblemen außerdem stets dafür sorgen, dass dein Zimmer gut abgedunkelt ist. Auf Reisen hilft alternativ auch eine Schlafmaske.
Ein Faktor, der häufig mit Schlafproblemen in Verbindung gebracht wird, ist das blaue Licht, mit dem wir uns tagtäglich umgeben. Abends im Bett bei einem Film entspannen, auf dem Smartphone im Internet surfen oder einen Roman auf dem E-Book-Reader lesen – das blaue Licht der Bildschirme ist unser ständiger Begleiter. Das Problem dabei ist, dass helles Licht mit hohem Blauanteil für unseren Körper das Signal ist, wach zu bleiben. Grund ist, dass das natürliche Tageslicht relativ viele Anteile blauen Lichts enthält. Wenn die Sonne abends untergeht, sinkt dagegen der Blauanteil und das Licht erscheint eher gelblich-rot. Die Folge: Wir werden müde.
Zwar ist bislang noch unzureichend erforscht, ob sich blaues Kunstlicht tatsächlich negativer auswirkt als weißes – und ob die von Geräten abgestrahlte Menge Blaulicht ausreicht, um eine spürbare Verschlechterung des Schlafes zu verursachen. Als erwiesen gilt jedoch, dass künstliches Licht ganz allgemein die Melatoninproduktion des Körpers stört. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte Handy und Tablet also lieber aus dem Schlafzimmer verbannen und auf zu grelles Licht am Abend verzichten. Für diejenigen, die gar nicht auf elektronische Begleiter verzichten können, gibt es inzwischen sogar Apps, die das Blaulicht aus den Bildschirmen herausfiltern sollen. Wissenschaftlich belegt ist das bisher nicht.
Pflanzliche Helfer
Bei den Tipps zum Einschlafen dürfen die pflanzlichen Helfer nicht fehlen. Viele Kräuter haben eine sehr entspannende und beruhigende Wirkung auf unseren Körper. Melisse, Baldrian, Hopfen und Lavendel werden traditionell zur Unterstützung des Schlafs eingesetzt, aber auch Passionsblume und Hafer haben sich als wertvolle pflanzliche Helfer erwiesen. Du kannst dir entweder abends eine Tasse Tee zubereiten oder dir die Pflanzenextrakte als Kapseln oder Tinktur besorgen. Ätherische Öle, wie einige Tropfen Lavendelöl auf dem Kopfkissen, können den Effekt noch verstärken.
Nahrungsergänzungsmittel
Neben den bereits genannten Pflanzenextrakten kann Magnesium uns dabei helfen, besser ein- und durchzuschlafen. Magnesium löst und entkrampft die Muskulatur und hat dadurch eine entspannende Wirkung auf den gesamten Körper.
Auch das Schlafhormon Melatonin gibt es in Kapselform zu kaufen. Vor allem Schichtarbeiter oder Menschen, die häufig bei Tageslicht schlafen, können damit eine deutliche Verbesserung ihres Schlafes erzielen.
Bewegung macht müde
Ein körperlich aktives Leben verbessert auch unseren Schlaf – müde Muskeln, müder Geist. Spätabends solltest du aber lieber auf ein schweißtreibendes Workout verzichten, um deinen Kreislauf nicht zu sehr anzuregen. Nach 18 Uhr also lieber kein High-Intensity-Workout mehr machen, sondern das Training auf leichte Bewegung, Stretching und Entspannungsübungen beschränken.
Dein Rhythmus, deine Rituale
Ein kurzer Mittagsschlaf ist okay und kann sogar helfen, Konzentration und Leistungsfähigkeit zu steigern. Mehr als 30 Minuten sind jedoch nicht empfehlenswert, da ein langes Nickerchen sich oft negativ auf den späteren Nachtschlaf auswirkt. Bei chronischen Schlafproblemen solltest du tagsüber lieber gar nicht schlafen.
Berücksichtige deinen individuellen Chronotyp und versuche, deinen Tagesablauf soweit es geht danach auszurichten. Wenn möglich solltest du dir angewöhnen, täglich in etwa um dieselbe Zeit aufzustehen und ins Bett zu gehen – am besten auch am Wochenende. Unsere Körper sind Gewohnheitstiere und klare Abläufe helfen dabei, uns in den Ruhemodus zu versetzen. Vielleicht versuchst du, dir deine eigenen kleinen Rituale zu kreieren: Eine Tasse Tee (oder heiße Milch mit Honig), ein Spaziergang oder eine kurze Entspannungsübung kurz vor dem Schlafengehen bereiten Körper und Geist auf eine geruhsame Nacht vor und lassen den Tag mit etwas Schönem ausklingen.
Das Schlaftagebuch
Falls du Schwierigkeiten hast, die Ursachen für deine Schlafprobleme zu finden, kann ein Schlafprotokoll dir helfen, die Übeltäter zu identifizieren. Über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen werden dazu verschiedene Beobachtungen und Verhaltensweisen aufgeschrieben, um so bestimmte Muster und Zusammenhänge erkennen zu können. Im Internet gibt es zahlreiche Vorlagen – probier es einfach mal aus! Wenn du noch ein schönes Buch benötigst, um dein Schlafprotokoll zu führen, klick gerne mal hier.